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Letzte Gedanken
Lili Boulanger (1893–1918)
D’un matin de printemps
Richard Strauss (1864–1949)
Vier letzte Lieder
Franz Schubert (1797–1828)
Symphonie Nr. 8 C-Dur D 944 Große C-Dur
Wenn die ersten Kompositionen berühmter Komponist*innen meist noch etwas ungelenk oder von anderen Einflüssen eingefärbt klingen, wie sehr müssen dann letzte Werke von künstlerischer Erfahrung und Lebensreife durchdrungen sein? Besonders, wenn das Leben ein außergewöhnlich langes und künstlerisch fruchtbares war wie bei Richard Strauss? Oder wenn letzte Werke in einem Alter entstanden sind, in dem andere Menschen gerade ihre Ausbildung beenden oder noch mittendrin stecken – wie im Falle von Lili Boulanger und Franz Schubert? Richard Strauss hatte in allen Lebensphasen Lieder komponiert, sie waren aber stets im Schatten seiner Symphonischen Dichtungen und Opern geblieben. In der Schweiz, wo das Ehepaar Strauss 1945 hinzog, komponierte Richard 1948 unter anderem mehrere Orchesterlieder nach Texten von Eichendorff und Hesse, die sein Verleger Ernst Roth zu einem Zyklus zusammenfasste, dem er den Titel Vier letzte Lieder gab. Ihre thematisch gegebene transzendente Ebene wird durch Strauss’ typische Orchestersprache noch potenziert, der zu diesem Zeitpunkt 84 Jahre alt war – rund 60 Jahre älter als Lili Boulanger in ihrem letzten Lebensjahr 1918. Die Tochter eines französischen Komponisten und einer russischen Sängerin zeigte bereits im Kleinkindalter eine überragende musikalische Begabung, litt aber unter zwei unheilbaren Krankheiten. Durch sie nach nur 24 Jahren an den Rand der Erschöpfung getrieben, schrieb Lili Boulanger in Mézy-sur-Seine als letzte einer beachtlichen Anzahl von Kompositionen die Orchesterstücke D’un soir triste und das komplett konträre, heitere D’un matin de printemps. Ihre Schwester Nadia, ebenfalls eine namhafte Komponistin, unterstützte sie dabei und pflegte Lily bis zu ihrem Tod am 11. März 1918.
Franz Schubert, den seine bahnbrechenden Werke tragischerweise erst nach seinem frühen Tod berühmt machten, erlebte im Wien des Jahres 1824 die Uraufführung von Beethovens neunter Symphonie mit und war begeistert und ernüchtert zugleich. Schließlich rang er selbst um eine neue Symphonie und spürte die Herausforderung, die von Beethovens Meisterwerk ausging. Schuberts künstlerische Reaktion war beachtlich – die Dimensionen seiner letzten Symphonie waren so ungewöhnlich, dass sie den Beinamen »die Große« erhielt.
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