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Vier auf einen Streich
»Man hört vier vernünftige Leute sich untereinander unterhalten«, so Goethe über die Königsdisziplin der Kammermusik: das Streichquartett. »Brahms, der Fortschrittliche« betitelte Schönberg seinen Aufsatz über jene hohe Kompositionskunst, die sich besonders in Brahms’ Quartetten zeigt. Für den Komponisten war diese Gattung ein mühsam errungenes Feld: Bevor er 1873 mit op. 51 an die Öffentlichkeit trat, hatte er über zwanzig Versuche verworfen. Am Ende schuf er raffinierte Meisterstücke, in denen sich aus kleinsten Motiven immer neue Varianten entwickeln – musikalisch wie spielerisch höchst anspruchsvoll. »Wer zuerst beendet, der spielt seine Oktave … und weiter geht’s«, so die Spielanweisung Witold Lutosławskis. Aleatorik – das Gesetz des Zufalls – bezeichnet das Prinzip, dem sich der polnische Avantgardist hier widmet: Jede Aufführung bleibt dem Moment und den Musizierenden ein Stück weit überlassen.
Dass Fanny Hensel nur ein einziges Streichquartett hinterließ, ist kein Zufall, sondern ein bedauerlicher Umstand ihrer Biografie. Umso bemerkenswerter ist dieses romantische Werk voller musikalischer Einfälle – wie schade, dass es kein zweites davon gibt.
Infos
Lampingstraße 16
33615 Bielefeld