17 Sa
18 So
19 Mo
20 Di
21 Mi
22 Do
23 Fr
24 Sa
25 So
26 Mo
27 Di
28 Mi
29 Do
30
1 Sa
2 So
3 Mo
4 Di
5 Mi
6 Do
7 Fr
8 Sa
9 So
10 Mo
11 Di
12 Mi
13 Do
14 Fr
15 Sa
16 So
17 Mo
18 Di
19 Mi
20 Do
21 Fr
22 Sa
23 So
24 Mo
25 Di
26 Mi
27 Do
28 Fr
29 Sa
30 So
31
1 Di
2 Mi
3 Do
4 Fr
5 Sa
6 So
7 Mo
8 Di
9 Mi
10 Do
11 Fr
12 Sa
13 So
14 Mo
15 Di
16 Mi
17 Do
18 Fr
19 Sa
20 So
21 Mo
22 Di
23 Mi
24 Do
25 Fr
26 Sa
27 So
28 Mo
29 Di
30
Friendly Fire
Finding Erich Fried - ein Dokumentarfilm
Von Klaus Fried und Julia Albrecht.
Deutschland, Österreich 2025 / Originalfassung: Deutsch, Englisch / Untertitel: Deutsch / Länge: 109 min.
"Friendly Fire" ist ein sehr persönliches Porträt des großen österreichischen Dichters Erich Fried von seinem Sohn Klaus Fried. Der Film ist eine Hommage an einen unvollkommenen, aber innig geliebten Vater, eine Reise durch ein Jahrhundert Geschichte, die uns immer wieder zu den Perspektiven des vor den Nazis von Wien nach London geflohenen deutschsprachigen Exilliteraten Erich Fried führt. Blickwinkel die heute wieder furchtbar aktuell sind.
Der Österreicher Erich Fried ist einer der bis heute meistgelesenen, deutschsprachigen Lyriker. Seine Lebensumstände sind die eines traumatisierten, hochgebildeten und empathischen Unruhestifters mit einem fast pathologischen Drang zur Versöhnung mit den Extremen politischer Überzeugungen, von RAF bis Neo-Nazi Michael Kühnen. Ein Mann, selber 1938 vor den Nazis aus Wien geflohen, ein Sisyphos, der unverdrossen an Verständigung arbeitete. Sein Sohn Klaus Fried beklagt, dass er ihn mit einer Generation junger Deutscher teilen musste, die ihren eigenen Eltern nicht trauen wollten. Das Haus in London war eine zum Bersten volle "German Embassy of the left". Idealisten, Terroristen und Horden kiffender Hippies gaben sich die Klinke in die Hand. Für seine Besucher ein Guru, war Erich Fried für seine eigenen Kinder oft schwer zu erreichen. Klaus Fried macht sich auf den Weg und tastet sich im Gespräch mit Geschwistern, Freunden und Zeitgenossen an seinen Vater heran.
Der titelgebende Terminus "Friendly fire“ bedeutet "versehentlicher Angriff auf die eigenen Truppen“. Erich Fried war ein Sinnbild dafür. Wer ihn als Freund hatte, brauchte keine Feinde mehr. Er wagte, häufig entgegen aller Erwartungen zu agieren, und es gelang ihm dabei, auch mit den am weitesten voneinander entfernten Protagonisten in Politik und Gesellschaft ins Gespräch zu kommen. Seine Skepsis gegenüber Israel, obwohl selbst Jude, seine Auseinandersetzung mit den Protagonisten der RAF, seine Freundschaft mit dem Neonazi Michael Kühnen, den er letztlich wohl überzeugen konnte, dass Auschwitz wirklich existiert hatte. Niemand war vor dem "friendly fire“ Erich Frieds sicher, mit Empathie und manchmal auch mit unerwarteter Wucht bewerkstelligte er vieles, was in unserer individualisierten Gesellschaft heute fehlt. Und nicht zuletzt ist der Film auch ein "friendly fire“ des Sohnes gegen den Vater, der vor lauter Brandherden in der Welt manchmal vielleicht seine Familie etwas aus den Augen verloren hat.
Mit diesem Film erobert sich Klaus Fried, stellvertretend für seine Geschwister, den Vater zurück. Fast 30 Jahre nach seinem Tod, darf man sich fragen, was hätte der große Europäer Erich Fried, der von London aus die Welt beobachtete und kommentierte, zu unserer heutigen Welt zusagen? Zum Populismus, zum wieder Erstarken von Rassismus und Faschismus, zur Cancel Culture, zu Gaza und Israel? Vermutlich hätte Erich Fried versucht die zerrissenen Fäden wiederaufzuheben, versucht die abgebrochenen Gespräche wieder in Gang zu bringen, so wie sein Sohn Klaus das mit seinem Film versucht. Klaus Fried, der wie seine Familie in England lebt, beginnt die Arbeit an seinem Film in der Epoche des Populismus und des Brexits, in der, nicht nur in England, verhärtete Meinungen Gespräche ersetzen. Ein guter Zeitpunkt für eine Hommage an den Brückenbauer Erich Fried, eine Krise die bis heute anhält.
Infos
Filmhaus Bielefeld in Kooperation mit Kamera Filmkunsttheater