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Trickster Orchestra
Programm
Ketan Bhatti
Dance for Nerds (2020)
Cymin Samawatie
Revamp (2025)
Cymin Samawatie
Azadi (persische Nachdichtung Jamshid Razban; Zitat der Komposition mit Text Flow my Tears von John Dowland (ca. 1596), 2022)
Zara Ali
zerfasert ˈtsɛr.faː.zɐt (Uraufführung; Text Sina Ahlers, Medienkunst Katharina Mänz, 2026)
Ketan Bhatti
Hafen vor Tounsibuurg (2021)
Cymin Samawatie
Maa shodane nou be nou (persische Nachdichtung Ali Abdollahi, 2023)
Cymin Samawatie
Wassertiger (2021)
GRENZERFAHRUNGEN
Trickster Orchestra x Bielefelder Studio
Grenzen sind zurück! Sie schneiden durch Landschaften und Lebensläufe, sie ordnen Zugehörigkeiten neu und lassen Gewissheiten brüchig werden. Politisch werden Zäune hochgezogen und Territorien verschoben, während zugleich der Blick ins All weiter reicht als je zuvor: Das James-Webb-Teleskop tastet die Ränder des Universums ab, zeitgenössische Kunst und Literatur – wie Samantha Harveys Orbital – rücken planetare Formen des Zusammenlebens von Menschen und Ökosystemen ins Bewusstsein. Das 21. Jahrhundert steht unter Spannung: zwischen Bewegung und Erstarrung, zwischen Öffnung und brutaler Abschottung. Grenzerfahrungen nehmen zu: als Erschütterung, als Verheißung, als Eingriffe in Körper und Biografien.
Diese Gegenwart schreibt sich in Musik ein. Jahrzehnte globaler Migration haben vertraute Grenzziehungen zwischen Genres und Kulturen durcheinandergebracht Geographische, ethnische und zeitliche Ordnungen stehen quer zu alten Gewissheiten. Und doch bewegt sich europäische Orchestermusik häufig weiterhin in den Klangräumen des 19. und 20. Jahrhunderts. Instrumente, Spielweisen und Denkweisen jenseits der europäisch geprägten Klassik bleiben die Ausnahme. Musik, die unterschiedliche Traditionen nicht nur nebeneinanderstellt, sondern in neuen Klangsprachen und globalen Instrumentierungen ineinandergreifen lässt, ist noch seltener.
Das Berliner Trickster Orchestra ist angetreten, diesen Umstand zu ändern. Globale Traditionen, Instrumente und individuelle Lebenswege seiner Musiker*innen nutzt es als Material und Antrieb. Aus ihnen formt das Ensemble eine Klangsprache, die nur entstehen kann, weil Biografien sich über Grenzen hinweggesetzt haben. Traditionelle Spielweisen geraten in Bewegung, Hörgewohnheiten kippen, neue Verbindungen werden hörbar. Das Trickster Orchestra arbeitet so an einer Musik, die Grenzlinien nicht einfach hinterfragt, sondern sie als künstlerische Vision versteht – Grenzen zwischen Kulturen, Klangwelten und Musikrichtungen. Unter der künstlerischen Leitung von Cymin Samawatie und Ketan Bhatti verbindet das vielfach ausgezeichnete Orchester aus Berlin improvisierte Musik mit elektronischen Sounds, globale klassische Musiktraditionen mit Neuer Musik, Jazz und freier Form. Für seine schelmische Spielfreude und virtuose Energie wurde es gerade in die Exzellente Orchesterlandschaft der Bundesrepublik aufgenommen.
Zu seiner Premiere in der Rudolf-Oetker-Halle trifft das Trickster Orchestra auf die Artists in Residence des Bielefelder Studios: Zara Ali, Sina Ahlers und Katharina Mänz. Gemeinsam entwickeln sie die Uraufführung von zerfasert ˈtsɛr.faː.zɐt, einem Werk, das die Perspektive von der Überschreitung von Grenzen auf Grenzerfahrungen unter extremen Bedingungen verschiebt, das Konzept der Grenze radikal verdichtet und zugleich in neuen Klangerzählungen auflöst.
Ergänzt wird der Abend durch eigene Arbeiten des Ensembles – komponierte und improvisierte Musik, die Groove aus dem Gleichgewicht bringt und Notierbarkeit dehnt, die das Verhältnis von Individuum und Kollektiv verhandelt und von Kämpfen gegen die Begrenzung menschlicher Freiheit erzählt. In diesen Stücken wird Verflechtung nicht zur Ausnahme, sondern zur schöpferischen Idee. Sie entfalten ein Programm, das von der Störung trennender Ordnungen über politische Dringlichkeit und existenzielle Verdichtung zu Schwellenmomenten, neuen Gemeinschaften und mythischen Bildern der Verflüssigung führt – und das eine Erfahrung hinterlässt, die nachhallt, wenn der Saal sich leert: als Gefühl von Bewegung, Überwindung und von Grenzen, die nicht verschwunden sind, aber im Klang aktueller denn je spürbar geworden sind.
© Silke Weinsheimer, Heike Steinweg, Susanne Diesner
Infos
Lampingstraße 16
33615 Bielefeld